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St. Josef
Kapelle Mimberg, Pfarrkirche, Kindergarten
St. Josef
Unsere Pfarrkirche
St. Josef
beim Gottesdienst

Lieben ist kein Gefühl

Foro: Kerstin Weickert
Foto: Kerstin Weickert

Der „Wonnemonat“ Mai ist der Monat der Liebe. Mehr
Ehen als
sonst werden zu dieser Jahreszeit geschlossen,
dem Frühling, in
dem die Natur aus ihrem Winterschlaf
erwacht, neues Leben
beginnt.

Jedoch ist gerade im deutschen Sprachraum die Bedeutung des
Wortes „Liebe“ oft unklar. Deshalb sollte man hier genauer differen-
zieren: Da ist zum einen das „Verliebtsein“, ein Gefühl, das einem
ein Dauerstrahlen ins Gesicht zaubert und bewirkt, dass man die
ganze Welt durch eine rosarote Brille sieht. Wissenschaftler bezeich-
nen es nüchtern als „hormonelle Veränderung“.

Das „Liebhaben“ ist ebenfalls ein Gefühl, was man als hohes Maß
an Sympathie bezeichnen kann. Ob Kind, Katze, Opa oder die nette,
alte Nachbarin – man hat sie einfach sehr, sehr gern.

Dagegen ist das „Lieben“ kein Gefühl, sondern eine Tätigkeit, ich „tue“
jemandem etwas Gutes an. Hier wird auch Jesu Forderung „liebe deine
Feinde“ verständlich: Ich kann zwar unmöglich für jemanden, auf den
ich wütend bin oder den ich hasse, auf Kommando liebevolle Gefühle
entwickeln. Aber ich kann ihm helfen, wenn er mit einer Reifenpanne
am Straßenrand steht, oder mich für ihn einsetzen, wenn er von den
Kollegen gemobbt wird, auch wenn er mir noch so unsympathisch ist.
Obwohl so etwas bereits eine gewisse Überwindung kosten mag, so
wird die Feindesliebe an anderer Stelle eine echte Herausforderung:
wenn man jemandem verzeihen sollte, der einem schweres Leid zu-
gefügt hat.

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet!“ – ein durchaus ernstzunehmendes,
altes Sprichwort: Bin ich gerade nur verliebt oder auch bereit, den
Menschen zu lieben, ihn mit all seinen „Ecken und Kanten“ anzu-
nehmen, wenn der „Hormoncocktail“ sich wieder verflüchtigt hat?

Kerstin Weickert