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St. Josef
Kapelle Mimberg, Pfarrkirche, Kindergarten
St. Josef
Unsere Pfarrkirche
St. Josef
beim Gottesdienst

Dank für den Tisch voller Gaben

 

„Zwischen Bitten und Dank bereitet Gott einen Tisch voller
Gaben.“

Diese irische Weisheit scheinen Menschen ausgesprochen zu haben,
deren große oder auch kleine Bitten erfüllt wurden, deren Kind
gesund wurde, die die Prüfung bestanden oder den Arbeitsplatz
nicht verloren haben. Doch ist das wirklich so?

Was ist mit denen, deren Gebete nicht erhört wurden? Deren
Mann nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist oder deren
Freundin die Krebserkrankung nicht überlebt hat? Ein Wort
des Dankes kommt solchen Menschen nur schwer über die
Lippen.

Doch Leid, Krankheit und Tod gehören zu unserem Leben.
Trauer, Schmerzen oder Angst sind Teil unserer Realität.
Und sie sind wichtig: Ein Mensch, der nie weint, kann auch
keine wirkliche Freude empfinden; jemand, der nie Angst
hatte, kennt das wunderbare Erlebnis der Erleichterung nicht.

Trotzdem lässt der unerträgliche Schmerz beim Verlust eines
geliebten Menschen Dankbarkeit scheinbar nicht zu, höchstens
für die glückliche gemeinsame Zeit. Wer tagelang am Krankenbett
erfolglos für die Genesung gebetet hat, bringt kein „Danke!“,
sondern nur ein „Warum?“ heraus. Der Sinn wird vorerst nicht
erkennbar. Dennoch ist der jetzt folgende Lebensabschnitt zwar
anders, kann aber durchaus auch schön sein.

Auch ich habe schon erlebt, dass meine Bitten nicht erhört
wurden. Aber ich habe ebenso die Erfahrung gemacht, dass
alles Schlechte auch seine guten Seiten hat, dass allem S
chrecklichen auch Schönes erwachsen kann. Nehmen wir ein
fiktives Beispiel: Ein begeisterter Fußballspieler ist nach einem
Unfall an den Rollstuhl gefesselt. Durch diese Krise entdeckt er
aber sein Talent als Schriftsteller und findet darin nicht nur seine
persönliche Erfüllung, sondern kann mit seinen Romanen mehr
Menschen erfreuen als mit einer Fußballkarriere.

Vielleicht muss man sich manchmal ein wenig bemühen, nach
dem Sinn und den guten Aspekten eines Schicksalsschlages zu
suchen. Aber das Positive an allem Negativen gibt es – im Kleinen
wie im Großen. In dieser festen Überzeugung kann ich auch im Leid
sagen: „Danke, für den Tisch voller Gaben!“ Kerstin Weickert